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Von heissen und rufen!

Bild und Geschichte (Symbolbild)


Da ja früher niemand so gerufen wurde, wie er hiess, und sowieso alle fast gleich hiessen; rede ich hier zuerst mal über die Übernamen. Der Nachname, in Ausserberg gab es ohnehin nur etwa deren sechs, sieben, wurde nie gebraucht, meisten war es eine Reihe der Vornamen der Ahnen: ds Stiinuhanschrischtisch Joosi oder die Herkunft: ds Schlossjoosisch Peeter oder es wurde die Eigenschaft eines Vorfahr namensgeben: ds Lamuschisch Stäffi. Das «schisch» ist übrigens ein walliserdeutsches Merkmal, es bezeichnet den Genitiv, den es ja als einzigem Dialekt im Walliserdeutschen noch gibt. ( der Deutschschweizer würde sagen: «der Joosi vom …», vgl. Merkmales des Walliserdeutschen).

Die Namensgebung war Sache des Vaters und vor allem des Pfarrers, der ja die Namen bewilligen und im Taufbuch eintragen musste. Man benannte das Kind nach einem/einer Heiligen und so ein Viertel der Bevölkerung hiesst dann halt Peter oder Maria. Mein Nachbar hatte vier Söhne: Peter, Paul, Jakob und Hans. Nun fragt ihr euch, wieso ich den ausgefallenen Namen Volmar trage? Das kann ich euch erklären: einfach ist es nicht.

1923 wurde die zum Bezirk Visp gehörende Gemeinde Gründen in die Gemeinde Ausserberg eingemeindet und im gleichen Wurf beschloss der Staatsrat eine Namensverwirrung aufzulösen und bestimmte, dass alle Schmidt neu nur noch Schmid «d» schreiben sollten. Vorher gab es zwei Stämme, die «Chummuschmidjini, d» und die «Huppuschmidjini, dt», die sich durcheinander verheirateten und so zu einem undurchsichtigen Wirrwarr von «dt» und «d» führten.*

Mein Vater war Lehrer und hatte einen Riesen Stolz, als sein erstgeborener Sohn da war. Er klemmte sich zwei Flaschen Wein unter den Arm und dann gings zum Pfarrer. Ein Drittel der Gemeinde hiess Schmid, Hans und Peter gabs schon in Fülle, da sollte etwas ganz Spezielles her! Sie tranken zusammen die erste Flasche und suchten in einem grossen Namenbuch und stiessen endlich auf den schönen, alten, deutschen Namen «Volkmar» (der im Volke berühmte). Stolz wählten sie ihn aus und tranken die zweite Flasche. Als der Name dann endlich ins Taufbuch eingetragen wurde, vergassen sie das «k», und Radieren! Im Taufbuch? Beim Pfarrer und Lehrer? Geht’s noch! Und so hat mich dieser erste legasthenischer Fehltritt mein Leben lang begleitet und geprägt.

Ihr könnt euch vorstellen, welche Augen meine Mutter** machte, als mein Vater leicht beschwipst und stolz ihr diesen Namen verkündete. Noch heute bin ich schweizweit der einzige mit diesem Vornamen (Nachnamen gibt es Volmar und Vollmar) und einen Übernamen brauchte ich keinen. Aber mit einem seltenen Namen in einem kleinen Bergdorf aufzuwachsen, war wie eine Behinderung oder eine andere Hautfarbe, man wurde gnadenlos gehänselt. Das hat aber auch wieder Vorteile, man lehrt rechtzeitig, sich zu wehren.

Bürchen, 15. 4. 20

* Wer er genau wissen möchte, dem empfehle ich von Hubert Schmid: Unsere Ahnen. Leitfaden durch die Genealogie von Ausserberg.

** Heute wäre meine im letzten November verstorbene Mutter 100-jährig geworden.

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Wie appa in alle Deerfjinu heint öü d jungu Liit va Saniglaas gääru gitanzot. Aber we? Ja, dss Faschnachtu heintsch ei und asie öü zwei Nächt derfu tanzu, aber das het numma grad di Wietschi gsteert.

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