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Nobel, nobel!


Keine reine Walliserspezialität

999 wurde das Wallis als reichsfreies Erblehen vom Burgunderkönig Rudolf III dem Bischof von Sitten (Hugo) geschenkt. Das Wallis war also ein Fürstentum mit einem Fürsten und einer Reihe von Adeligen wie eigentlich überall in Europa. Aber schon ab dem 11. Jahrhundert machten die eingewanderten Alemannen dem Fürstbischof und den Adeligen ihre Vorrechte streitig und am Ende des 16. Jahrhunderts hatten sie diesem die Macht entrissen und das Wallis wurde de facto und 1798 de jure eine Republik. Republik heisst, der Adel ist abgeschafft, das Volk herrscht, alle sind gleich: denkst de! Leider ist der Mensch, wie er ist und unter Gleichen, gibt es noch immer ein paar Gleichere. Als dann im 17. Jahrhundert das Französische als Hof- und Kultursprache aufkam, zierten sich auch die Oberwalliser «Edlen» mit lateinischen oder französische Name und fügten sich noch nobel das «de» hinzu, aus Zur Flüe wurde Supersaxo (Süpersaxo), aus Riedmatter die De Riedmatten, dem Zumstei der De la Pierre, dem Kalbermatten die De Kalbermatten (de Ggalbermatten), aber auch im Oberwallis legte man sich ein Adelsprädikat zu, die von der Stockalpe wurden zu von Stockalper und das gemeine Geschlecht der Roten wurde zu Von Roten.

Alle diese Familien wurden, wie auch immer, mit der Zeit reich und nur mit dem Namen sich vom gewöhnlichen Volke abgrenzen reichte natürlich nicht. Da musst eine «bessere» Lebensweise («bessri Liit») und eine bessere Sprache her. In der Sprache gab es drei Möglichkeiten um sich abzugrenzen. Das erste war das «Chroosu» das «R» wir ganz hinten (velar) am Zäpfchen gerieben, statt wie sonst z.B. in Raron üblich an der Zungenspitze «r» gerollt – eigentlich ein Sprachfehler, aber wer, nobel, nobel etwas von sich hielt, konnte gar nicht anders reden.

Ein Zweites Merkmal waren die vielen französischen Wörter, die man in den heimischen Dialekt übernahmt. Die meisten Leute hatten für eine Tasse Kaffee gar keine Unterteller, aber bei den «Besseren» in Brig z.B. hatte man welche, aber nicht einfach Untertasse oder Unterteller, nein: die hiessen «Sous Tasse» (Sutass). Und noble Damen spazierten um sich von der Sonne zu schützen mit dem Parasole durch die Strassen. Der einfache Bürger entdeckte, dass dieser Schirm auch zum Schutz vor Regen dienen konnte und nannte den Regenschirm fortan ds Pärisoll.

Die Umgangssprache galt den Besseren und Reichen vor allem im «Briga dives» zu grob, man sprach von Schlächttiitsch, und rümpfte «va Rrarru biss Varru sind niinuniinzg Narru uff eim Charru gfaaru» die Nase und schwächtediesen «groben» Vokalreichtum und dieses Konsonantengeknarre besonders in Brig nobel ab: der Brigerdialekt grenzt sich gerade durch diese Abschwächung auf ein vornehmes gemurmeltes «ä» von seiner Umgebung ab: gigangu wird zu gangä, Morgä, wir sind halt in Brigä.

Volmar Schmid, 29. 2. 2020

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