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Von wanderndem «CH» und verlorenem «L»

Auch heute geht es nicht ums Essen, heute geht es ums Wandern. Ich wandere von «oben» nach «unten». Von «Ober-» nach «Unter-» ist es meistens nicht allzu weit, z.B. vom Oberdorf zum Unterdorf in Glis oder von Oberems nach Unterems. Weiter wird es, wenn man nach «nieder» wandert; nieder ist im Hochdeutschen etwas tiefer Liegendes z.B. die Niederung (im wsdt. bedeutet «nider» niedrig, etwa, as nidrigs Stubilti, eine niedrige Stube). Wenn man von Ober- nach Niederwald wandert, macht man schon mal den klassischen Obergommer (17 Km Luftlinie). Da ihr mich kennt, wisst ihr, dass ich mich natürlich mit dieser Strecke nicht begnüge: ich wandere von Obergesteln bis Niedergesteln. Ich wandere an der rechten Rhoneflanke zunächst dem Gommer Höhenweg entlang, dann über Martisberg zum Massaweg nach Blatten, durch das Blindtälli nach Brigisch – Mund über Gstei zum Lötschberger, kurz vor Hohtenn gibt es einen steilen Abstieg nach Niedergesteln, meinem Ziel (84 Km, Aufstieg 3385 m, Abstieg 4300, 26 Stunden [ich brauch natürlich das Doppelte]). Auf dieser Wanderung habe ich einen treuen Begleiter, das «ch» im Walliserdeutschen, es wandert mit mir mit und zwar im Gaumen; es beginnt in Obergesteln ganz weich vorne im Gaumen (präpalatal bis palatal) mit Chilche (ganz weich vorne im Mund «X´ilXe») wie man es von der Bühnenhochsprache «ich» und «ach» kennt, wandert dann immer weiter zurück bis es in Blatten ob Naters ungefähr die Mitte des Gaumens (palatal) erreicht hat: ChilchaXilxa», etwas stärker als das «ach» in der Bühnensprache) und endet in Niedergesteln heftig krachend wie im Holändischen hinten beim Zäpfchen (dem Velum = velar) mit Chchilchcha (kräftig, stark und reibend fast bis zum Chudru = «xxilxxa»). Das ist das Eine, die Wanderung des «ch» vom schönen, weichen Reibelaut bis zum heftigen, krachenden Krächzlaut. Diese unterschiedliche Aussprache ist eines der Merkmale des zweigeteilten Oberwallis, vgl. https://www.walliserdialekt.ch/die-zweiteilung.

Das Andere ist, dass mir auf dem Wege zwischen Niederwald und Bellwald plötzlich ein «l» verloren ging. Hiess es beim Start noch Bellwald, so tönt es plötzlich Beuwaud; herrgott: das «l» ist weg! Dieses Phänomen nennt man die Vokalisierung von «l»und es kommt auch im Berndeutschen, wie in Bayrischen Dialekten vor. Als man in Bellwald den Willhelm Tell in Mundart aufführte (Bellwald hat eine alte Theatertradition; ich selbst habe mir vor 60 Jahr mal bei der Aufführung der Aalt Schmittja auf den harten Holzbänken 4 Stunden lang den Arsch durchgesessen) sprach in strengem Tone Gessler zu dem Tell: «Wass heit ier weue mit dum zweite Pfiul».

Volmar Schmid, 10. 2. 2020

Und als Supplement für alle, die auch gerne mit einem «ch» wandern möchten, hier noch die Karte (Quelle. swissmobile.ch)

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