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Personenfreizügigkeit

Autorenbild: volmar.schmid
volmar.schmid
24. Juni 2020
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Sept. 2020


Bild und Geschichte 58

Meine Mutter stammte aus Baltschieder – eine Fremde in Ausserberg, unerhört! Man schrieb den Ostermontag 1944 als sie sich mit einem Ausserberger verheiratete und so das Ausserberger Burgerrecht erhielt. Zwar existierte die Personenfreizügigkeit schon seit 1848 in der Schweiz, sogar zwischen den Kantonen, aber Fremde wurden immer noch nicht gern gesehen: die nahmen einem die Arbeit und hier sogar begehrte Junggesellen weg. Schon das «Kcharisierru» (Brautwerben) war eine langwierige und gefährliche Angelegenheit: in der Alpe, wo man gezwungen war, aus verschiedenen Dörfern zusammenzuarbeiten, ging es ja noch; aber dann zu hause, da hörte der Spass auf. Mein Vater wurde in Baltschieder, auf Freiersfüssen wandelnd, zwar nur zwei Mal verprügelt, aber das auch nur, weil er sich auf Schleichwegen dem Hause seines zukünftigen Schwiegervaters näherte. Natürlich versuchte meine Mutter sofort, nachdem sie sich in Ausserberg niederliess, sich zu assimilieren - doch fremd, bleibt fremd! Es gelang ihr nie, die Sprache der Einheimischen anzunehmen; zeitlebens blieb sie bei ihrer Sprache und verriet sich, wenn sie nur den Mund aufmachte, als Fremde! Immer wurde sie wegen ihrer Sprache gehänselt: die Kinder riefen ihr spottend nach: «Mit der Schääri an de Zääwe der Chääs chratzu», sie brachte einfach das einheimische «ee» in «Chees» nicht her; auch das «a» im Anlaut der Ausserberger Sprache gelang ihr nicht: Fragt der Lehrer in der Schule: «Ein Wort mit A!» «A-rraru» bekommt er zur Antwort, «A-rrichtig, A-rrudi»! Natürlich hat sie das wunderschöne, tief im Rachen feinrollende, krachende «R» auch nie geschafft. Immer wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass man das hier «soo!» und nicht «soo!» macht. Und natürlich musste ihr «Trachtuforscher» (Trachtenschürze) leicht einen anderen Farbton haben, als üblich und der «Tschubil» (Dutt) war sicher am Ende noch nach links gedreht. Zum Glück war sie wenigsten katholisch, aber ob sie immer zu den gleichen Heiligen gebetet hat, bin ich mir nicht so sicher. Nein, sie konnte sich nie assimilieren, hat es sogar gewagt, mitzubestimmen, - und dann die vielen Kinder! 17 Jahre haben die Ausserberger gebraucht, um sie nach Visp auszuschaffen!

Bürchen, 23. Juni 20

Bildquelle: Baltschieder. Am rechten Bildrand, Mitte, beginnt der Schleichweg hinüber zum "Rootu Tschuggo"

 
 
 

2 Kommentare


Manya Hegda
Manya Hegda
26. Sept.

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regina.werlen
29. Juni 2020

ha nit alles genau so in Erinrig, z meischta stimmt harrgenau!!!

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