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Im Eril

Bild und Geschichte


Zuerst möchte ich mich für die mangelhafte Bildqualität und die spärlichen sachlichen Informationen entschuldigen, aber hier in Bürchen, in der selbstgewählten Coronaquarantäne fehlen mir meine Bibliothek und mein Archiv.

Heute möchte ich etwas über die Alpe Eril im Baltschiedertal sagen: ich muss höllische aufpassen, dass ich nicht allzu sehr abschweife, denn hier haben sich meine Eltern kennengelernt und hier habe ich vom Dritten bis zum Elften Lebensjahr meine Sommer verbracht. Eril liegt (und jetzt rede ich immer orographisch) auf ca. 1800 Meter auf der linken Seite des Baltschiedertals und wurde vom Mitte Braachot (Juni) bis zu den Fiertagu (Feiertage, um den 22. September, Fest des hl. Mauritius Landesheiliger) bestossen; es war eine Hochalpe (im Ggs. zur Voralpe). Die Besitzer kamen aus Mund, Baltschieder und Ausserberg. Wir unterscheiden im Oberwallis zwei Arten von Alpen: einmal die Senntumsalpe, sie ist ein Genossenschaftswerk mit einer gemeinsamen grossen Stallung (40 – 100 Kühe, vgl. Moosalp, Ginals oder ds Üsser Sänntum im Baltschiedertal). Sie wird von einem Sennen und ein paar Melker und Zuhirten betrieben. Die Genossenschafter haben Chüerächt, das sich über die gesamte Alpe erstreckt und können sie an Hand ihres Kuhrechts bestossen). Das Eril war eine Stafilalpa, d.h. die Alphütten und die Meematte (Mähwiesen) waren privat, die Weiden gehörten zu bestimmten Teilen (Chüerächt) allen Alpbesitzern. Jede Partii brachte ihr Vieh in der Nacht in ihrem eigenen Alpstall unter und stellte den eigenen Käse her. Ein paar Hütten zusammen bildeten den Alpstafel, fast immer gehörte eine Kapelle dazu (im Eril war die Kapelle der hl. Maria Magdalena, San Madleenu, 22. Juli geweiht): jeder für sich in einer einzigartigen Gemeinschaft. Am Tag wurde das Vieh zusammengetrieben und auf die gemeinsame Weide geführt: an uns älteren Kindern war es, den ganz Tag auf das Vieh aufzupassen.

Die Hütte oben rechts gehörte meinem Grossvater aus Baltschieder, hier mit meiner Grossemutter verbrachte ich als Hosenscheisser drei Sommer und hatte nichts anderes zu tun, als Kind zu sein. Unsere Hütte, ganz unten links, gehörte zur Hälfte meinem Vater und zur anderen meinem Onkel. Wir sind noch als Alpennomaden (darüber berichte ich dann ein andermal) aufgewachsen, d.h. während ein Teil der Familie im Dorf blieb und dort die Sommerarbeiten erledigte, nahm der andere Teil von dem Büschel Kinder ein paar mit in die Alpe. Bei uns war es die Tante, die zwei ihrer und zwei von uns, alle Kühe, zwei von uns, drei von ihnen, dazu drei Kälber und zwei Rinder mitnahm. Die Aufgaben der Sennerin waren: Chochu, Mälchu, Cheesu, Aichu und Bättu; wir Kinder mussten am Morgen als erstes Handlu (die Tile, Zitzen cremen und massieren, dass die Milch einschoss), Mischtu (den Stall reinigen) dann trieben wir das Vieh auf die Weide und hüteten es den ganzen Tag. Das erste Mal, wenn wir das Vieh zusammentrieben, machten die Kühe mit dem Stächu, die Hackordnung unter sich aus und in dieser Reihenfolgen ging es dann jeden Tag zur Weide. Wir besassen als einzige an Wälschi (Eringerkuh) und da waren wir natürlich mächtig stolz, sie war immer die Erste. Mindestens einmal in der Woche mussten wir ihm nahen Wald Holz holen, davon brauchte man zum Kochen und Käsen auf der Trächa recht viel. Am Abend wiederholte sich das Handlu, ein Bisschen spielen und es war Zeit zum Nachtessen, Rosenkranzbeten und ab ins Gütischibett. Zum Essen gabs am Morgen in der Regel Palänta, zum z Mittag ein Stück Roggenbrot und Käse und zum z Nacht Choch (!) – mein Gott, wir waren Vegetarier bevor wir überhaupt wussten, dass es das gibt.

Eine spezielle Aufgabe von uns Buben war es, die Alpe von Kleinvieh (Schafe und Ziegen) fernzuhalten, das Kleinvieh hatte seine eigenen Weiden und auf der Chüealpa nichts verloren.

Besonders frech waren die gschäntigu Geisse, die Walliser Schwarzhalsziege. Einmal hat sich auch ein gewaltiger Geissbock zu uns verirrt, das wollten wir nutzen; wir haben ihn eingefangen und in einen leeren Stall eingesperrt: den wollten wir zureiten. Die grossen, ausladenden Hörner dienten uns als Gido (Fahrgabel), flink habe ich die Hörner gepackt, mich auf den Rücken geschwungen und dann gings los, seither weiss ich was Bockssprünge sind; mit dem Kopf bin ich an die Decke geknallt und landete im Dreck, der Bock überrannte den Türwächter und war weg. Zurück blieb eine Riesenbeule am Kopf und ein furchtbarer Gestank!

Bürchen, 2. 4. 20

Bilder

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