Suche
  • volmar.schmid

Heiduhüss und Röömerbrigga


Bild und Geschichte 22


Unser Bild heute zeigt uns einen Heidengiebel, er ist das markante Kennzeichen eines Heidenhauses. Bevor man die Technik des waagrecht gewandeten Balkengiebels kannte, stützte man die First mit einem senkrechten Balken (Spilla), den man auf das letzte durchgehende Balkenholz aufstützte. Den seitlich freibleibenden Raum füllte man zunächst mit schrägen, später mit waagrechten Balken. Den Balken nannte man ds Heiduchrix (welch ein Paradoxon), den Giebel Heidugibil und das Haus war ein Heiduhüss. Der Name besagt, diese Häuser sind uralt, also im Volksmund stammen sie aus der heidnischen Zeit. Dem ist natürlich nicht so! Die ältesten Holzhausgruppe (der Schweiz) steht in Mühlebach und der älteste Bau hier ist aus dem Jahre 1381 und das älteste Holzhaus steht (aus klimatischen Gründen mit Stein ummantelt*), in Simplon Dorf. Auf der anderen Seite wissen wir, dass die älteste christliche Inschrift nördlich der Alpen aus dem Jahr 377 in Sitten zu finden ist. Die Heidenhäuser stammen aus dem 14/15. Jahrhundert und die Kirche von Naters hat vor zwei Jahren ihr 1000jähriges Bestehen gefeiert. «Heiden» bedeutet einfach uralt und wird nicht nur für Gebäude verwendet, mit «heiden» wird einfach etwas grundsätzlich Uraltes bezeichnet, so z.B. die älteste Suon in Visperterminen, der Heido (1305, erstmals erwähnt) und natürlich die uralten Heidenreben, die den bekannten Wein, Heida, produzieren. Hingegen wurde auf dem Heidnischbiel bei Raron tatsächlich vorchristliche Relikte gefunden.

Ähnlich ist des mit den Römerbrücken, mit diesem Namen bezeichnen wir uralte Bogenbrücken aus Stein. Jedes Mal wenn ich auf dem Veloweg Nr. 1 durchs Goms runter über Ernen, Ausserbinn hinunter in der Twingischlucht auf die wunderschöne «Römerbrücke» treffe, bin ich einerseits wieder einmal überzeugt, dass diese Brücke mit Sicherheit nicht die Römer gebaut haben, und anderseits beginne ich schont tief zu schnaufen, denn jetzt geht’s steil hinauf zur «Kapelle im Blatt».

Eine andere Bewandtnis hat es mit den vielen Teufelsbrücken, die wir auch überall antreffen. Sie bezeichnen eine Brücke, die über eine praktisch unbezwingbare Schlucht führt. Auf die Teufelsbrücken (Hoo Briggu über den Feschelbach oder die Brücke über die Schöllenen) bin ich besonders stolz, denn nur die Walliser, bzw. Walser besassen im 13. Jh. durch ihren Wasserleitungsbau (vgl. Heido, 1305, Niww Wäärch, 1388 oder die Bisse auf er neuen 100 Note) die notwendige Bautechnik, um solche Werke, wie die erwähnten Teufelsbrücken oder den «Stiebenden Steg» in der Schöllenen zu bauen.

Ich hoffe, ihr bemerkt mein hohles Kreuz!

Bürchen, 20. 4. 20

Vgl. www.walliserdialekt.ch/blog

*das ist aber wieder eine andere Geschichte!

Bildquelle: Heidenstadel aus Brei/Ried-Brig

13 Ansichten

volmar.schmid@bluewin.ch +4127 923 93 35 / +4179 753 49 84

  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • LinkedIn Social Icon

©2019 by www.walliserdialekt.ch. Proudly created with Wix.com