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Firchefaaru

Bild und Geschichte


Drei Dinge haben unsere Lebensumstände vor allem bestimmt: das Klima, die Religion und die Realteilung. Im Gegensatz z.B. zu Bern, wo der jüngste Sohn den ganzen Hof erbte und die Mädchen mit einer Mitgift und die älteren Knaben mit einem Handgeld abgespiesen wurden (vgl. Gotthelf: Ueli der Knecht), gab es im Wallis die Realteilung. Das Gut, der Besitz wurde «gleichmässig» unter die vorhandenen Kinder aufgeteilt und zwar so lange, bis es nicht mehr reichte und ein Teil der Familie auswandern musste oder Krankheiten (z.B. die Pest) oder Kriege eine «Güterzusammenlegung» veranlasste. Diese Realteilung hatte zu Folge, dass der Besitz eines einzelnen meist über den ganzen Berg verstreut war. (Wir besassen, 2 Kühe, 2 Kälber und 2 Hausschweine; 10 Wiesenparzellen im Dorf und der Millachra, 9 Äcker in der Fuxschlüecht und uff de Bielu und einen Hausgarten). Da man damals alles, was es zu transportieren galt, selber tragen muss (Alpine Tragwirtschaft), wurden die Ökonomiegebäude (Stall, Scheune, Stadel) ebenfalls über den ganzen Berg verstreut. Aber für einen allein war es natürlich zu aufwändig und nicht lohnend, Scheune und Stall für sich allein zu bauen, darum gab es bei Scheune und Stall fast immer zwei bis drei Besitzer, die sich dann in der Nutzung des Gebäudes abwechselten. Im Stadel brauchte man weniger Platz, hier gab es bis zu 10 verschiedene Besitzer. Diese Realteilung und die grossen Distanzen bewirkte (neben dem alpinen Nomadentum [aber das ist eine eigene Geschichte]), dass auch mehrere Wohnsitze notwendig wurden, darum baute man auch das Wohnhaus in Gemeinschaft mit anderen: daraus entstand das Stockwerkeigentum, dass es im Wallis (und bei den Walsern), wo Wohn- und Ökonomiegbäude schon immer getrennt waren, schont seit jeher gab; in der Schweiz wurde es erst in den 1980er Jahren eingeführt.

Nun die weit zerstreuten Gebäude mussten auch genutzt werden und da es leichter war das Vieh zum Futter, als das Futter zum Vieh zu bringen, entstand das, was wir Firchefaaru nannten. Im Winter wurde zunächst ein Teil des Futters im Dorf genutzt, dann zog man mit dem Vieh und der dazugehörenden Roba zum nächsten Stall. Natürlich musste man morgens und abends zum Hirtu (Füetru, Mischtu und Mälchu) bis zu einer halben Stunde zum Vieh laufen: das war eine mühsame Arbeit, wohl darum überliess man sie in Ausserberg in der Regel den Frauen! Gut, die Männer (Arbeiterbauer) muss sich fürs Tagwäärch schonen.

Die Rolle der Frau ist aber wieder eine andere Geschichte, dazu jetzt nur so viel: Wisst ihr warum die Gommini schon immer für Vielweiberei waren: Ein Gommer kann nur so viel Boden besitzen, wie die Frau bearbeiten mag.

Rund alle 20 Jahr war es mit der Realteilung so weit, dass ein Teil auswandern musste. In den Dreissigern ging die letzte Auswanderungswelle nach Südamerika (Geronimo Norte); (ich rede übrigens vom 20. Jahrhundert) und in den Fünfzigern war es wieder so weit, auswandern kam nicht mehr in Frage (inzwischen hatten alle neben der Landwirtschaft noch einen anderen Verdienst), darum entschloss man sich zu einer Güterzusammenlegung, die war aufwändig und teuer, darum wurde in den Achtzigerjahren im neuen bäuerlichen Bodenrecht eine Aufteilung unter eine bestimmte Grösse (ich glaube 4000 Quadratmeter) nicht mehr gestattet und der landwirtschaftliche Boden kann nur noch unter Bauern gehandelt werden.

Die Güterzusammenlegung zog sich in gewissen Gemeinden bis in die Neunziger Jahr hin. So kam es, dass wir (4 Vettern) oberhalb Eggen eine Wiese von ca. 2000 Quadratmetern besassen. Mitten drin war aber ein flaches Felsstück, das hatten einen Schatzungswert von 0.0 Fr.; die Wiese wurde uns weggenommen, aber das Felsstück muss wir behalten, denn Nichts kann man ja niemand wegnehmen. Also wollten wir das Stück dem Bund schenken, es wäre bestens geeignet gewesen, um zur 700 Jahr Feier (1991) eine weithin sichtbare Schweizerfahne aufzustellen: aber oha, Nichts kann man auch nicht verschenken!

Bürchen, 5. 4. 20


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