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D Weli ha, ischt an scheeni Sach

Bild und Geschichte


D Weli ha, ischt an scheeni Sach

Bild und Geschichte

Es ist unglaublich, wie sich die Charakteren der Menschen schon auf kurze Distanz unterscheiden können. Die Briger gelten als offen, kommunikativ bis hin zu Schwatzhaftigkeit; die Gommer als verschlossen und wortkarg. Sitzen zwei Gommini im Restaurant schweigend an der Bar und stieren in ihr Bier; plötzlich fragt einer: «Röeckend diini Chie?», der andere schweigt, starrt weiter in sein Glas; da fragt er wieder: «Röeckend diini Chie?», langsam dreht sich der andere um und sagt: «Spinnscht eigetlich, miini Chie röeckend doch nit!»; «De brennt diine Stall!» gibt der andere zur Antwort.

Noch ein Beispiel für diese Wortkargheit: auf dem Bänklein vor der Kapelle im Ritzingerfeld sitzen schweigend zwei Gommer, kommt ein Fremder vorbei und fragt: «Ist dass hie d Wääg nach Bellwald?», keine Antwort, da fragt er auf Hochdeutsch, kein Antwort, dann auf Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, keine Antwort; der Fremde geht kopfschüttelnd weiter. Sagt ein Gommer zum anderen: «Düü, deer cha de Spraache!», gibt der andere zur Antwort: «Und, wass hets im gnitzt!».

Ja, die Mentalitäten sind auch auf kurzer Distanz sehr unterschiedlich, so galt der Ausserberger als offen, temperamentvoll, spontan und auch waghalsig, der Eggerberger eher als zurückhaltend, vorsichtig, abtastend. Man sagte, dass der Ausserberger sein Baugesuch abschicke, wenn er das erste Zwänzgi (20 Rappen Stück) für das Porto hätte, der Eggerberger nicht, wenn ihm noch das letzte Zwänzgi fehle. Und der Baltschiedner muss man mindestens dreimal einladen, bis er endlich Ja sagt. Es gilt im Gegensatz zu Ausserberg als unhöflich, eine Einladung direkt anzunehmen. So geschah es einmal, dass mein Grossvater Viktoor aus Baltschieder vom Eril über Ausserberg, weil dort noch etwas zu erledigen hatte, nach Baltschieder zurückkehrte. In Ausserberg stieg er weiter nach Baltschieder ab. In der Dischterru, kam er am Haus meines anderen Grossvaters Thedoor vorbei, der stand zufällig vor seinem Keller und fragte ihn: «Tagg, Viktoor, chuchscht as Glass ga triichu?»; Viktoor gab ihm baltschiedertypisch zur Antwort: «Nei, danke, jetz magi nit!». Da bekam er von Thedoor trocken zur Antwort: «De hescht d Welli!» Durstig und fluchend zog Viktoor weiter nach Baltschieder.

Ja, d Weli ha, ischt halt doch an scheeni Sach! Schön ist es, eine Wahl zu haben.

Bürchen, 9. 4. 20

vgl. https://www.walliserdialekt.ch/witze

Bildquelle : Rübel, Abb. XXIV

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