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San Marco und Pera[1]

Aktualisiert: März 6




San Marco und Pera[1]

Eiguntli heisst di Gmeind Gondo no hiitu Zwischbäärgu. Dem, wa wier hiitu Gondo säge, dass het friejer Ruden gheissu. Daana der änggu Gondoschlucht, diräkt an der Gränza ischt immer as säältus Volkji gsii. Gläbt heintsch va der Landwirtschaft im Zwischbäärgutal, de Alpje und uff de Figina; riichi cho sintsch durch du Schmuggil oder Export 2 Punkt Null, wie mu schii da ännuna gseit heint. As psunders Verhältnis heintsch zu de Wälsche kcha. Einigi sintsch nit grad immer gsii, dass gseet mu nummu scho am Dorfbach, der «Doveria», di heisst übrigens na der Gränza «Diveria»[2].

San Marco

Zämu mit Trasquera heintsch di Pfarrii San Marco kcha, ds Chirchilti ischt aber südlich va Gondo uff italienischum Bodo gstannu, und daa schii schi gägusiitig uf «Alpjerung» heinta a maal Vee gstolu heint, heintsch de öü hienta a maal naa der gmeinsamu Sunntagsmäss anand schee uff du Grint ggä. Gondo het zum Bischtum Novarra gkcheert und die Gondoneesi sind de gar nit mit du a italienischu Pfarrheerru ds fridu gsii. Zwaar ischt di ganz Mäss latiinisch gsii, aber an «Wälschi Bredig» ischt zum gflüglotu Woort wordu, ver an unverständlichi Sach. Naa längum Striitu heintsch mägu durchgsetzu, dass schii an «tiitsche» Pfarrherr percho heint. Ei Sunntag het jetz der Wälsche und eine der Tiitsche d Mäss gläsu. Der Wälsche ischt aber as rächts Hallootri gsi, der ischt lieber uff d Jadt gangu, wa in San Marco ga Mäss läsu. Wenn är dra gsii ischt, het mu nie gwisst, chunt är jetz oder ischt är wider am maal du Gämschinu naa; vill z spaat zwar, aber meischtens ischt är de doch no cho. A maal wider am a Sunntag, wa der Wälsche weeri dra gsii, heint d Liit gwaartet und gwaartet! Naa du a Schutz sintsch de der tiitsch Pfarrherr ga holu, dasch wenigstens an Mäss heigi. Mitti in der Mäss ischt de öü der Wälsche cho, natiirli ischt är wieder uf der Jadt gsii, wa ner du Tiitschu am Altaar gsee het, ischt är soo verruckte cho, dass är ds Gwee fircha gnu het und du Tiitschu grat arschossu het. Chänt he vorstellu, was nacher loosgangu ischt: mit blüetige Chepf sintsch heim uf Ruden oder Richtig Trasquera. Di Godoneeser heit dernaa in Ruden an eigunts San Marco gibuwwu, heint an eigune Pfarrherr percho und heint de öü 1822 ds Bischtum gwäggslot: va Novarra zum Bistum Sittu.

Pera

Ja, Gondo het schoo an parr Fruchtjini kcha, aber am wiitschtu het sus schoo der Wirt vam Turo, der Pera, an Wälsche natiirli, gitribu. Sind Reisundi bi im ikeert, het är immer wider spekuliert, ob är dene eppis chänti abnä. D meischtu Reisundu heint schich vorgsee, schii sind in Gruppe cho und heint immer eine oder der andre di ganz Nacht Wacht gha. Ammaal ischt an riich Mailänder, der Faabri öü uber du Simplon, är ischt zeerscht Maal richtig Brig, suscht ischt är immer uber durchs Pomatt uber du Griess richtig Bääru, aber dizmaal het är wellu niwwi Chunde süechu. Uff dum Rückwägg ischt är mit dum Pera ikcheert, ver daa z ubernachte. Dum Wirt ischt sofort der riich Sattil vasch Faabrisch Ross üffgfallu. Am andru Moorgunt ischt der Faabri, ds Ross und der Sattil verschwunnu gsii. Waa na vierzää Tägg, drii Wuchu der Faabri immer no nit ischt zrugg cho, ischt nu schiini Froww ga süechu. Schii ischt schlaui gsii, het as Ross mit dum a ganz schlächtu, leidu Sattil mitgnu und ischt uberall ga freegu, obsch ächti nit an bessre Sattil hetti. Äntli chuntsch öü zum Pera nach Gondo. Der meint: «Woo, woll, daa chänne wer schoo eppis machu. Ich ha da züefällig an parr Sättil!» Und är het eine na dum andru üssa gibrungu und der Froww gizeigt. Bim vierzääntu het düe d Froww der Sattil va irum Ma erchännt. Schii het nu kchöüft und ischt dermit uff Brig zer Obrigkeit. D Schandarmerii ischt zum Pera und het im schiini Beiz uff du Chopf gstellt. Näbu füüf Tootugrigil, heintsch öü Sättil, Waare, Schmuck und an Hüffo Gääld gfunnu. Der Pera het zwaar ab wellu, aber diz maal heint die Tiitschu und Wältschu zämu ghaaltu und du Pera heintsch de öü gmeinsam z Sittu uff der Planta gheicht.

Bürchen, 2. Februar 2021

Simultantext und Audio: www.walserdialekt.ch/enkeltauglichkeit

Bildquelle: Gondo um 1900, Ludwig Imesch: Das Oberwallis im Bild. Bd. 3, 1945 – 1982, Rottenverlag, Visp, 1982, S. 79

PS: durch Gondo führt heute der Stockalperweg, er gehört zur Via Storia und führt von Brig über den Simplon nach Gondo (Ecomuseum); auf ihm lässt sich die Geschichte des Simplonpasses und Stockalpers erkunden, in Simplon Dorf lädt ein kleines, aber hervorragend gestaltetes Museum das Wandererlebnis vertiefen. Gondo ist auch bekannt für seine Goldvorkommen und den Goldminen.

Im Jahre 2000 traf Gondo ein schreckliches Unglück, oberhalb des Dorfes brach nach andauerndem Regen eine Schutzmauer und riss das halbe Dorf in den Abgrund, 13 Personen verloren dabei ihr Leben.

[1] Quelle: Sagen aus der Schweiz. WALLIS. Sonderausgabe für ZAP, Limmat Verlag, Zürich, 1998, S. 124 f. [2] Das ist übrigends der einzige Fluss, der seinen Namen gleich zwei Mal ändert: vom Simplon bis zum Lagginbach heisst er «Krummbach», dann bis zur Grenze «Doveria» und anschliessend bis zu Mündung «Diveria».

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