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  • volmar.schmid

Ds Choli kchännt du Wägg[1]

Aktualisiert: März 2




Afangsch dum achtzääntu Jaarhundert heint di Braadini und d Erschmatter gnüegt vam längu Chirchwägg uf Leigg kcha. Miesam heintsch Sunntag ver Sunntag der läng Wägg uf Leigg miessu unner d Fiess nä. Gwändli heint schich di beidu Gruppe in de Chrummachra gitroffu und sind de zämu uber d Heeji Brigga und Rootaferru uf Leigg. Im Winter heintsch mängsmaal nit mägu oder nit träfu. Gmeinsam heintsch darum bischlossu, bim Bischof ds Sittu ver an eigundi Pfarri, izgä. Nach längum Bittibätti und Verhandlu iss de äntli 1710 so wiit gsii, schii heint d Erlöübnis percho, an eigundi Pfarrii ds gründu und an eigundi Chilcha ds buwwu. Sofort sintsch derhinner, ds Materiaal ver denu Chirchubuww z zwäggsmachu. Steina heintsch wie in alle Walliserdeerfjinu in der Umgäbig gnüeg gfunnu, ds Probleem ischt immer der Sand und der Chalch gsii. Normaaler Wiis heintsch fascht kcheis Sand und fascht kchei Chalch gibrüücht, de im Goms heintsch praktisch alles us Holz gibuwuu und wiiter ambri heintsch der Unnerbuww oder Fäld- und d Räbumüüre mit Trochumüüre gmacht, und nummu fer ds Fiirhüss heintsch Sand und Chalch fer du Mörtil oder du Verputz gibrüücht. D Chilche und Chapälle aber heintsch us Stei gmacht und innuna und üssuna süüber verputzt und gwiisgot. Fer ds Sand heintsch irgend a swaa an Sandgrüeba kcha, was schuss us der a Gletschemorääna üssgigrabu heint, oder aber schii heint sus miessu, wie zum Biispil in Üsserbäärg bis zum Rottu ga holu. Gmeinde, waa dass nit gribrüücht heint, wie zum Biispill Eggerbäärg oder Birgisch, heint mit der eerschtu Rottukorrektioo (1864 – 1894) schleunigscht iro Astooss an du Rottu an di riicherru Taalgemeinde abgiträttu (Visp, Naters). Fer ds daamaalig Simänt, heintsch gibrännte Chalch gibrücht, denu heintsch immer am Oort was gnüeg Holz und Chalchstei gkcha het im a Chalchofo gibrännt. D Erschmatter hein iro Ofo wiit obuna in der Neechi va Änggersch im Riedgaartu kcha. Va daa heintsch de du Chalch uff di Buwwstelle gsöümot.

Jetz sind aber di Braadini und Erschmatter scho vor dum Buwwu ds Striitsch cho: waa soll di Chilcha staa, in Braatsch oder Erschmatt; di Braadini heint gseit: «Wier hei mee Iwooner!» d Erschmatter: «Wier hei der besser Platz!» Einig sintsch nit cho. Fer di Transpert heintsch schoo ds Locher Seppi va Ängersch – ursprünglich as Braadi - agstellts kcha, der het an paar fäini Mültini kcha und hetti emmal gääru vor de Summeraarbeite no di Transpert durchgfiert. Är het druf gidrängt, äntli chännu atsfaa. Naa längum Hi und Härr, hets nu verjagt und är het de Striithänu la prichtu: «Ich säge eww jetz schoo, waa di Chilcha z staa chunt!» Är heit schiini Mültini biladu; eis derva ischt der «Chali» gsii, as brantschwaarzus Ungitüü, as richtigs «Choli», aber ier wisst ja, wie di Gnooggini redunt, darus hets de äbu der «Chali» ggä. Der «Chali» ischt wie d Füergeiss immer vorüss, är het di Wäga sicher kchännt und heit alleinig zrugg uff Bratsch gfunnu, va waa är eiguntli cho ischt. Jetzt het der Locher Seppi gmeint, wier ubelee doch dii Entscheidig dum Mülti, der Hinnergidanku ischt natiirli gsii, ds Mülti geegi de schnüerstracksch uff Bratsch. Waa düe aber der ganz Tross an d Abzweigig im Obru Zälg cho ischt, het der «Chali» pfiiffugrad der Wägg uff Erschmatt igschlagu. Zwaar het der Seppi no well ds Mülti werru, aber dass ischt stuur und grat ooni ahaaltu bis uf Erschmatt gizottlot. Da ist stannu giblibu, het schi eismaal gschittlot und dernaa bockstill gwaartot. Wass heint di Braadini annersch wellu, als das Zeichu - va welum öü immer - aznä. D Meerheit ischt der Meinig gsii, das Zeichu sii vam biblischu Verkünder und Wägwiiser, vam Äärzängil Michael cho, darum heintsch de öü iro Chilcha im Fridu mitanand an parr Jaar speeter (1721) dum Äärzängil Michael gwiit.

Bürchen, 10. Febr. 2021

Audio und Text (Simultanübersetzung) finden sie hier!

Bildquelle: Erschmatt um 1900, Ludwig Imesch: Das Oberwallis im Bild. Bd. 1, 1850 – 1919, Rottenverlag, Visp, S. 163


PS. Erschmatt und Bratsch (heute eingemeindet mit Leuk und Gampel) sind urchige Walliserdörfer mit ihren typischen von der Sonne gebräunten, dunklen Holzhäuser geblieben.

Wer sich über das Walliser Roggenbrot informieren möchte ist in Erschmatt richtig. Hier kann man auf einem Erlebnisweg den Gang vom Korn zum Brote miterleben. Nach einer Führung durch die Roggenäcker geht’s in die Backstube und dort sich sein eigenes Roggenbrot backen.

Im Herbst leuchte die Hänge der Leuker Berge im satten Rot des Perückenstrauchs; auch eine südeuropäische Pflanze die wir in der Schweiz nur im Wallis finden.

Habt ihr gewusst, das Bratsch die längste Strasse Europas besitzt: mit ihrem Bau wurde in de 1950ern begonnen und si wurde 2010 vollenden. In dieser Beziehung hat sie grosse Ähnlichkeit mit der Autobahn im Wallis.


[1] Quelle: Peter Josef Ruppen, «Das Pferd als Schiedsrichter», aus: Historischer Verein von Oberwallis. Walliser Sagen. Erster Teil, Dogma, Bremen, 2013, S. 229, vgl. auch: «Der gescheite Kali» in: http://www.erschmatt.ch/wordpress/3540-2/

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