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Di Tootugreber[1]



Ganz an gspässigi Sag han i uss der Umgäbig va Unnterbäch, säge wer doch vam Ginals und dum Obru Sänntum, percho. Immer am drittu Quartembertagg[2] vam Jaar, Mitti Säptämber siigi da as chleis verhutzlots Mannji im Sänntum verbii cho und heigi an Piggil und a Schüüfla antleent; am andru Moorgu heiss schi de wider zrugggibrungu. Dum Züehirti, as Quartemberchind, ischt das eiditig gspässigs vorrcho, emma het är ds Häärz in d Hand gnu und ischt dem Guggwäärgi naa. Das ischt ambrüff bis zum Seefääld und da het mu an Kolleeg gwaartet. Zämu heintsch de as groossus Loch gigrabu, dernaa sintsch hinner dum a groossu Stei verschwunne. Naa dum a Bitz sintsch mit dum a aaltu Frowwi zrugg cho, dass het gigissu und schich gwerrt, was mägu het. Schii heint sus in ds Loch gkchiit, heint mu an Fläscha Wii und as Roggubrootji mit ggä und ds Loch wider züegschüüflot. (vgl. http://www.sagen.at/texte/sagen/schweiz/wallis/altentoetungderzwerge.html)

Hie ischt dii Gschicht na miiner Quella fertig! Aber das chänne wer doch soo nit laa staat, darum verzellu ich eww jetz di Sag fertig.

Der Züehirt, wa ner dass gsee het, ischt so archlipft, dass är tutzuberfitlo amab ins Ober Sänntum ischt. Ganz bleiche und zittrige ischt uf du Strowwsack und het schi nimme gmottot. Am Naatag het är naa längum Umenandretricku, äntli dum Sännu dii Gschicht verzellt. Schii sind tüe zämu ambrüff ga lüege, aber nix heintsch gfunnu, kchei Spur vam Grabu, kcheis aalts Frowwi, nix. Der Sännu het du Züehirt üssglachet und d Sach ischt ggässni gsii. Waa düe aber na dum a Jaar ds Hutzlimannji wider cho ischt und Schüüfla und Piggil verlangt het. Ischt mu düe öü der Sänno naa. Wider heintsch as groossus Loch gmacht, wider heintsch das Frowwu hinner dum Stei üssagschreckt. Aber dizmal sind di beidu uff di Guggwäärgini looss, der Sännu het spitaklot, ds Chriiz gschlagu und gibättot und „schwupp“ sind dii beidu Guggwäärggini verschwunnu, nummu no ds Frowwi ischt piischtundo dagstannu. Und de hets Frowwi afa schiini Gschicht verzellu: „Ich bi ds Chrischtuhansjosisch Stiini, vor vile, vile Jaar bin ich hie ambrüche ga Heitu, da hinnerna hinner dem groosu Stei bin i üssgruscht, ha mi arfellt und bi in dii Spaalta gkchit. Zwaar han i d Liit wa mi gsüecht heint gkcheert, ab schii heint mi nit gfunnu und soo bin i daa verhungrot und verdurschtot. Und jedes Jaar, am drittu Quartembertag, gäbunt mer dii zwei Guggwäärggini ds Ässu und ds Triichun und tient mi bigrabu. Ich will aber nit hie im wiltu Land, ich will im gwiitu Bodo va Unnerbäch biäärdigti sii!“ Und „schwupp“, ischt öü ds Frowwi wägg gsii. Am Naatag sind tüe der Sänno und schiine Ziehirt am Groossu See hinner dum Stei ga süechu und heint unner dum Stei im Grischil as Tootugrigil gfunnu. Schii heint su uf Unnerbäch gibrungu, dum Pfarrer dii Gschicht verzellt, und deer het ver ds Stiini an Tootumäss glässu und roosuchranzbättundu heintsch de di Chnoche uff dum Friidhof bigrabu. No an schuppo Jaar het mu das Grab hinnerna lings mit dum schieffu Chriiz chännu gsee, aber in de sibzger Jaar, wa di Mooda mit de iheitlichu Grabchriizu (im Tode sind wir alle gleich!) ischt üffcho, heintsch de das Grap üffghobu, soo dass hiitu nix mee an das aarum Stiini erinnrot.

Bürchen, 14. 3. 21

Audio und Simultantext: hier

Bild: Unterbäch, Quelle: bergfex


PS. Unterbäch gehört zu den sogenannten „Schattenbergen“ (Eischoll, Unterbäch, Bürchen) und ist von Raron mit der Luftseilbahn oder von Visp oder Turtmann in einer einzigartigen Panoramastrasse erreichbar. In diesem familienfreundlichen kleinen Ski- und Wanderparadies gefällt meinen Enkelinnen am besten der Sudelpark, hier kann man spielend das Prinzip der Walliser Suonen kennenlernen. Unterbäch gilt auch als „Rütli der Schweizer Frauen“ hier durften 1956 die Frauen erstmals in der Schweiz an die Urne (Frauenstimmrecht CH 1971).

[1] Quelle: Deutsche Volkssagen. Hg. v. Leander Petzoldt. München 1978. S.230 [2] Quartembertage sind die Fast- und Abstineztage vor grossen katholischen Feiertagen vor Weihnachten, Ostern, Pfingsten und eben analog im Herbst zur Kreuzerhöhung am 14. Sept. Leuten, die an solchen Tagen geboren werden, werden besondere spirituellen Fähigkeiten nachgesagt. An diesen Tagen sind auch immer rege Geistertätigkeiten im Gange.

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