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Der Wasserstriit[1]



Di beidu Üsserbäärgeralpe Raaft und Leiggru sint frieje ganzjeerig biwonnti und sogaar eiguni Gmeindwäsu gsii. Dass mu aber het chännu ubrläbe, het in Üsserbäärg sit jee her vam Wasser abghangu. Fer di zwei Deerfer hets wiit obuna in der Öügschtchumma an flotte Brunno ggä, der het de knapp ver d Versoorgig va dene zwei Deerfer glängt; aber mu he hüüslig mit dem Wasser miessu umgaa, und beidi Deerfer heint als Reservaar, an Gilla kcha, wasch di Reserve va ver di ganz trochundu Ziite im Summer agleit heint. Fer di Organisatioo und Verwaaltig va dem Wasser heintsch as ganzus Siisteem kcha. Ver di grächtig Verteilig obuna an der Abschaalta in der Öügschtchumma und die Wasserleite bis in di Deerfjini ischt der Wasserhieter zueständig gsii; in das Amt heintsch alli drii Jaar eine va de wichtigschte Männer im Deerfji gwäält; in trochunde Jaaru hets de aber schoo hienta rächte Striit zwischunt dene beide ggä. D Verwaaltig va der Gilla ischt im Raaft immer in der gliichu Famili giblibu, dene heintsch de mit der Ziit di «Gillini» gseit.

Eis Jaarsch ists passiert, dass zwei Brieder sind zum Wasserhieter gwählt wordu. An ziitlang ischt dass güet gangu, schii heint ds Wasser briederli giteilt und alli sint ds Fridu gis; aber de hets in iro drittu Jaar an furztrochunde Summer ggä, d Matte sind rooti gsii und di Gille leerri. In beide Deerfjinu sint alli uff du Wasserhieter züe und heint mu vogwoorfu, är verteile ds Wasser ungrächt. Beidi sind ambrüff in d Öügschtchumma, daa het jede prubiert, ver schiis Deerfji mee Wasser abzleitu. Immer mee sintsch in du Striit cho, bis beidi ds Wässerbieli ergriffu heint und uff anandre loos sind. Schii heint züegschlagu und schich gliichzitig giteetot. Va daa wäg gischt di Kwella versiigt: Nimme an Tropf Wasser, ischt weder uff du Raaft, no uff Leiggru.

Häi, ischt in dene Deerfer as Lawaaboli loos! Im Raaft heintsch du Gilluvogt, dass ischt düe ds Gillujoosisch Peeter gsii, uff di Pischta gschickt, ga z lüege, wass da loos siigi. Är ischt uff d Süech: das Wasser müess doch a swaa sii, dass müess doch a swaa suscht üssa cho. Und zämu mit schiinum Kolleeg va Leiggru, dum Luzi, heintsch düe waasch im Trosibodo uber ds Rand ambri in ds Bietschtelli lüegunt, wiit unnuna, mitti im Felso, gsee ds Wasser uss zwei Lecher üssaschreeju. Schii sint ds zrugg ga määldu, und naa langum Biraatu ischt eine uff d Idee cho, mu chänti doch mit Lädinu und Bälku dem Wasser da unnuna der Wägg versperru und sus so zwingu, wider obuna in der Öügschtchumma üssa z cho. Und de sintsch derhinner: zeersch heintsch rächts und linggs va de Lecher an Nüet üssaspitzt und dernaa dicki Holzbalke drigizwängt; gspannt heintsch gliüeget: Sumi heint vor der Lecher, d andru obuna in der Öügschtchumma gipasset. Und pletzli hets giknirscht und kchrachot, klepft und kräschmot und di Holzbalke sint wie Zintholzjini uff dum a wiitu Wassertstraal ambri in ds Bietschi. Das ist de gsi! Der Chraft vam Wasser heint schich sogaar d Üsserbäärger miessu beugu.

Raaft und Leiggru heintsch miessu verlaa, schii heint schi no wiiter als Alpe gnutzt und im Raaft sammlot no hiitu di Gilla, schii heint schi inzwischu wägum Stöüb und Dräck gidekt, das Traani Wasser, was no het. Und di zwei Lecher, willsch a soo flott näbunand sind, heint der Name «Nasulecher» percho. Mu cha no hiitu d Spuure va dem Stauversüech va de Üsserbäärger gsee.

Ich ha schi a maal wellu ga alüege und Fotograffierru, aber das Ambrüffstägru an dene Seillunu ischt mer düe z vill woordu. Ich glöübus eifach.

Brig, 11. März 2021

Simultanübersetzung und Audio: hier

Bild: Ausserberg um 1920. Ludwig Imesch: Das Oberwallis im Bild. Rotten Verlag, Visp, 1982, S. 152

PS. Wer mal auf dem Lötschberger (Wanderweg BLS Südrampe) bei der Bietschtalbrücke ins Bietschtal abzweigt, sieht nach einer halben Stunde auf der rechten Seite (orographisch links) aus zwei Felslöchern «Nasulecher/Nasenlöcher» einen Schwall Wasser strömen. Der Weg hinauf ist nicht ganz einfach, aber mit Seilen gesichert. Ausserberg liegt auf 1000 Metern über Meer in einem der trockensten Gebiete des Wallis, von je her drehte sich hier alles ums Wasser. 2020 wurde das System der Bewässerung um Ausserberg als «Landschaft des Jahres» ausgezeichnet. Im Zusammenhang mit der Walliser Alpensteppe und dem Bewässerungssystem (Suonen) gibt es eine reiche Literatur.


[1] Quelle: Sagen der Schweiz. WALLIS. ZAP Brig, Limmat Verlag, Zürich, 1998, S. 196

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