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  • volmar.schmid

Der Tootuschädil[1]


Friejer sintsch mit dum Bodo sparsam umgangu, d Hiischini, Ställ oder Kapälle heintsch uf meglischt ufruchtbarum Bodu gibuwwu, di güete Matte und Achra heintsch zum Uberläbe gibrüücht. So heintsch öü der Friidhof, wasch ja güeti Ärda gibrücht heint, suscht hettisch nit chännu grabu, meglischt chlein ghaaltu; darum heintsch de öü di Gräber alli 15 bis zwänz Jaar wider üffgnu und niww bileit. Dii Chnoche und Schädla wa de immer wider zum Vorrschii cho sind, heintsch de unner dum niwwu Saarg wider bigrabu oder an vile Eerter in as Beihüss gitaa. No hiitu cha mu dii Beihiischini z.B. in Reckingu, Leigg oder Naatersch ga bsüechu. Di Chnoche und Schädla heintscht de in dene Beihiischinu chuntschtvoll üfgitischschott. (Also ds verrecktoscht Beihüss, wa ni jee ha gsee, ischt an ganzi Chilcha in Tschechiju [Kutna Hora, Sedlec], daa heintsch mit dene Chnoche und Schädlu, ganzu Wappu, Bilder oder Leuchterra gmacht.) Idrücklich sind aber öü no hiit di Beihiischer va Leigg oder Naatersch. In Naatersch cha mu frii zulöüfu und de gseet mu im Beihüss vam Ruffiner di Schädla üffgreiti, schi grinsunt dich a und in der Mitti steit der Spruch: «Was ihr seid, das waren wir, was wir sind, das werdet ihr», daa geent eim jedesmaal di Grimme: das ischt «Vanitas[2]», das!

Di hiitigi Sag wird uber verschiduni Eerter verzellt: Äärnu, Teerbil, Leigg; ich welltischi eww jetzt va Teerbil verzellu. Die jungu Teerbjini (hier gilt noch das generische Maskulinum) sind wie uberall gääru am Bitz ga Aabusitzu, a maal heintsch schich in de Burgu, z ander Maal im Eischbiel, ze Springu, in der Biina, diz maal aber in de Fure gitroffu. Im Verlöüf vam Aabund heint an parr afa Bootzugschichte verzelle, alle sind immer mee di Griime ggangu und d Meitje heint afa di Bei azie. Ds gliichum het der Gaschgäber in der Regil grooszügig va schiinum Eigundo üssgscheicht, so dass de de Büebe der Chamm immer mee ischt gwaggsu und schii sälltu müetig woordu sind. Vor allum ds Marggi, ich weiss nimme is as Jüenli, Kaarli, Hoseeni oder as Loränzji gsii, het immer mee afa broglu: « Äch, dass mit de Boozu sint doch nummu Gschichtjini, di gitz doch gar nit und meinet ier der Tiifil würdi iisch Angscht machu, dass wer kchei Feeler mee mache, der will doch grat ds Gäguteil, dass wer meglichscht vill Säich mache und de dernaa z imm in d Hell chome. Also, ich glöübe der ganz Geischtersäich und Tiifilsgschichte nit!» Und düe heint d andru angfangu: «De biwiis doch diine Müet! De gang z Mitternacht uff du Friidhoff! Oder no gschiider ins Beihüss! Holl doch da an Schädil! Gäll das taarfscht nit!» Ds Marggi isch schoo liecht archlipft, aber jetz hets nimme zrugg tärfu. «Ha, wass meinet ier!» Äär het schiine Rucksack gnu und ischt fort.

Aber bi jedeum Schritt ischt mu der Schiss as bitzji mee in d Hose, immer mee het är schich miessu uberwinnu und mit letschter Energii ischt är ins Beihüss, het der eerscht bescht Schädil argriffun, nu in du Rucksack gsteckt und ischt zrugg. Schoo churz na dum Friidhoff het är gmerkt, wie der Rucksack immer schweerer und schweerer woordu ischt; knappi hundert Schritta wiiter het inu du Rucksack nidergschreckt. Uss dum Rucksack het är kcheert: «Nimm mi üssa! Nimm mi üssa!» Äär het du Rucksack üffgmacht und du Schädil üssa gnu; düe het mu der Schädil gseit: «Wennt jetz nit miine eigunt Soon weerisch, zerschreckti di hiitu hudulundfätzu, aber suscht hescht no an Schaas, bring mi zrugg und versindige dich nie mee!» Ds Marggi het denu Schädil zrugggibrungu und ischt amuber in d Fure z schiine Kollegu. Äschubleiche het är ine dii Gschicht verzellt, ischt heimgwankot und drii Wuche nimme üffgstannu. D Meitje heint va daa wägg bi de Boozugschichte d Fiess no wiiter üffgizogu und de Purschtu ischt öü z Teerbil der Chamm nit z groosse cho. Uwaaltlichi sintsch zwaar giblibu, wesch gsuffu heint, aber meischtens in Gränze und unner schich!

Brig, 21. 4 21

Simultantext und Audio: hier

Bildquelle: Törbel um 1930 noch mit der alten Barockkirche von 1680; Imhof: Das Oberwallis im Bild. Bd. 3, Rotten Verlag, Visp, 1982, S.110

PS. Selten ein Dorf im Oberwallis eignet sich so gut, sich über das Leben in früheren Zeiten zu orientieren. Mit «Urchigs Terbil» wurde ein Rundgang aufgebaut, bei dem man anschaulich das Leben unserer Ahnen studieren kann. Am Dorfbach sind es eine Walke, Sägerei und Stockmühle, man besucht den Triel, das Backhaus, Stadel, Kapelle, Wohnhaus und Keller. 1981 veröffentlichte Netting Balancing on an Alp, ein Werk über das Zusammenleben von Gesellschaft und Natur auf der Basis Elinor (Lin) Ostrom ihre Wirtschaftheorie über das Gemeinwesen (Allmende und Gemeindewerk) entwickelte, wofür sie 2009 den Nobelpreis für Wirtschaft erhielt. Wer schon in Törbel ist, dem empfehle ich auch noch die Bürcher von Helene Güdel und einen Ausflug auf die Moosalpe.

[1] Quelle: Historischer Verein von Oberwallis: WALLISER SAGEN. Zweiter Teil, Dogma, Bremen, 2013, Faksimile, Moritz Tscheinen, 1878, S. 69 [2] Vanitas: das mittelalterliche Bewusstsein, mit jedem Schritt im Leben bin ich vom Tode umgeben; das ständige Bewusstsein der Endlichkeit; an vielen Wegkreuzen, die verunfallten Menschen gedenken, steht dieser Vanitasspruch: «Mitten im Leben bist du vom Tode umgeben!» vgl. Wikipedia

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