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  • volmar.schmid

Der Schatz in de Diebje[1]

Aktualisiert: März 2



Friejer ischt in de Diebju, das ischt an wunderbari Waldlichtig zirka an halb Stund oberhalb va Zeneggu, nummu eis Hüss gstannu, dass het sus aber in schich kcha. Immer wenn jemand da ubernachtot het, heintsch denu am Moorgu tote gfunnu. Äss ischt klaar gsi, dass niemmu me het da wellu hüüsu und dum Gietji lügeu. Das Gietji het ds Häisisch Ludi gkcheert, wa eiguntli suscht im Esch gwonet het, är hetti schiis Gietji gääru als Voralpa gibrüücht, aber unner dene Umständ is aber praktisch wäärtlos gsii. As güetu Taggsch ischt an främde Gsell uff Zeneggu cho und het Aarbeit und Unnerchunft gsüecht, äss ischt zwaar as Grüezi gsii, het aber phöüptot, äär heigi sowool vam Schriinru als öü va der Landwirtschaft an Aanig. Jetz het ds Ludi schiini Schaas gsee und het dum Gsell schiis Hiischi in de Diebje anerbottu, wenn är mus numme eppisch zum Gietji lüege und ds Hiischi üssbessroti. Gäru ischt der Gsell, Viktor het är gheissu und Liit heint mus rächt baald der «Ds Grüezi Vikki» gseit, ambrüff in di Diebje, ds Ludi het mu no der Rucksach mit Proviant fer an parr Tägg gfillt. Der Viktor het schicht in de Diebje igrichtot, in Ofu gfiirot, ver am abunt an Suppa kchochot und ischt de na dum a güetu Gidanku ga liggu. Mitsch in der Nacht het är eppis kcheert, är het d Lusa anprännt und gseet zwei Bei us dum Chämi heichu; är het dra gschreckt - chlupfige ischt iisch Viktor nit gsii - und an schwaarzi Gstaalt ischt ambriche uff du Bodo kchit. In der Hand hetsch an ganze Schlussilbunt kcha, schii streckt dum Viktor an Schlussil angägu, und bifillt: «Gang ga d Hüsstiri anpschliessu!» Der Viktor het zer Antwort gä: «Ich ha hie nix pschlossu, ich machu hei öü nix üff!» In dem Momänt ischt di Tiri üffgsprungu und beidi sind unnuni zum Chäller. Wider git mu der Schwaarze an Schlussil und meint ganz barsch: «Mach üff!» Der Viktor git mu di gliich Antwort: «Ich ha hie nix pschloss, ich machu öü nix üff!» Und öü d Chällertiri sprint üff. Schii geent in du Chäller und der Schwaarze ergrifft an Schüüfla, zeigt uff du Landbodo und meint: «Grab!» Der Viktor git zer Anwort: «Ich ha hie nix vergrabu, ich grabu hie nix üss!»

De ischt der Schwaarze sälber derhinner, het afa grabu und pletzli hets afe chlirru und chliichju, dri gidektloti Tepf sind zum Vorschii cho. Der Schwaarze cheert schi zum Viktor und bifillt no im a bistimmteru Too; «Mach di Deckla üff!» Aber öü jetz perchunt är zer Antwort: «Ich ha hie nix züegideckt, ich decku öü nix üff!» Wäärund deer Ziit ischt ds Schwaarza immer häller woordu und jetzt ischt nummu no an wiise Flaacht; der dreet schi zum Viktor und meint: «Jetz hescht du mich erleest, wennt mer eismaal gfolget hettischt, hett ich dich miessu arwirggu und no hunder Jaar mee hie biessu. Ich bi im Läbe immer nummu dum Gäält naagsecklot, ha ubervorrteilt welu und wani ha chännu, aber jetz ischt miis Liidu am Ändi.» Är zeigt uff di Tepf und meint: «Da, der eerschte ischt volls Gold, denu perchoment d aarmu Liit. Der zweite ischt volls Silber, deer kcheert alle dene, waan i pschissu ha und der dritte isch volls Münze, denu chasch du phaalt, willt du mich erleest hescht.» Schwupp, ischt der Geischt verschwunnu und öü di zwei eerschtu Tepf sind a wägg gsii. Am Naatagg ischt düe ds Ludi ambrüff in di Diebje ga lüege, wies ächti schiinum Gsell geegi. Waa mu deer gloggugsunde und quicklebändig empfangu het, het düe ds Ludi nit rächt gstüünet, und wa mu düe aber der Viktor no di Diebje ver as güets Gääld abkchöüft het, ischt äär ganz baff amab uff d Zeneggu. Mit dem Gääld hets de schich ds Ludi unner dum Esch as flotts Stuck Räbe kchöüft.

Bürchen, 4. Februar 2021

Simultantext und audio: hier

Bildquelle: Zeneggen mit Altzeneggen im Vordergrund und der Mischabel um 1900, Ludwig Imesch: Das Oberwallis im Bild. Bd. 2, 1919 -1945, Rottenverlag, Visp, 1980, S. 152

PS. Zeneggen ist ein kleines sonnenbeschienenes Dorf auf 1300 Meter auf der Talflanke im Übergang vom Rhone- zum Vispertal. Es lädt ein zu einem Spaziergang durch die unverfälschte Walliser Alpensteppe und unvergesslichen

Wanderungen, Schneeschuh- und Skitouren. Wer sich über die Rolle des Wasser (von der Quelle zum Bergsee, vom Wildbach zum Bewässerungssystem, von der Dorfmühle zum Elektrizitätswerk, vom Dorfbrunnen zum Abwasserreinigungsanlage) allgemein und im speziellen zum Wallis informieren möchte, dem empfehle ich den Weg des Wassers.

[1] Quelle: Moritz Tscheinen, «Der Schatz den Diebjen» (Fr. Lagger), aus: Historischer Verein von Oberwallis. Walliser Sagen. Zweiter Teil, Dogma, Bremen, 2013, S. 21

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