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  • volmar.schmid

D riicht Techter[1]

Aktualisiert: März 2




Vor vile, vile Jaaru ischt ds Salgesch pletzli as jungs Pirschtli üffgfallu, wasch immer wider im Dorf gsee heint. Schii sint mu ga naaspekulieru, wass ächti deer daa welle. Und de heintsch gsee, äär ischt zum Marjoosi, der riichtoscht Tächter im Doorf. Schii het chännu zwänsg Chiee wintru und het no zwei flotti Stuck Räbe kcha und obuna dir an paar flotti Acherlini. Friejer heintsch d Salgesch no nit vam Wii gläbt, um ds ganz Doorf umanand hets di flotteschtu Matte gkcha und d Räbe heintsch numme ver du Eigugibrüch gkcha – gnüeg sicher, aber nit mee. Dii Chälleriije und der Wiihandil ischt ersch naa dum Chrieg ds Salgesch üffcho (1945). Und daa chunt an främde Zoggil und will dene junge Salgescher di beschti Partii im Deerfji wäggnä. An Främde und de no an Wälsche, Prois (Preux) Leander het är gheissu, speeter het är wellu, dass mu im Leandeer seit. An Wälsche und hie ga kcharisierru! Dem heintsch de schoo wellu abhälfu und heimzintu. Wie in alle andre Deerfjinu öü, heint sus de d jungu Purschtu gaar nit gschätzt, we ne d Främdu, und dass sind schoo dii va der Naachbargmeint gsii, sint ga d wäägschtu und riichschtu Meitje ga fortheirratu. Schii heint mu abgipasset und nu himiltrüürig glädrot, dernaa heint schi gmeint, dii Sach siigi arledigt. D Liebi aber zum Marjoosi und schiine zwänzg Chie ischt aber greesser gsii. Är ischt eifach verboorgu zum Marjoosi, immer van ar andru Siita: eismal ischt är unner de Marä durch uber Tschanderüünu, ds ander Mal uber di Tschrasiina, de wider der Mengis naa du Tschangerang[2] ambriche und siie sogar im a groossu Umwägg uber di Tschüdangnä. Schii heint nu nie mee verwitscht und soo heint de ds Marjoosi und der Leandeer bischlossu ds Heiraatu. Waa düe der Pfarrer am Sunntag dii zwei verchintot het, is ver d jungu Purschtu ds Salgesch ds spaat gsii. Ds Marjoosi, die flottu Räbe und vorr allum dii zwängs Chie sind futsch gsii; weenigschtens heintsch am Polteraabund dum Leandeer no grat rächt schee Abglaffu. Jetzt wa ds Marjoosi öü schiin Züekunft soo konreet vorr im gsee het, hets de öü du Leandeer am Voraabu va der Hoochziit ganz sachte naa schiinum Bsitz gfreegt. «Wevil Chie hescht de eiguntli du ds Wintru!» Da git är ganz trochu zer Antwoort: «Wenns güet geit, chani bis mooru am Aabund einundzwänzg Chie wintru.» Und wäärli waar, de mit de zwänzg Chie vam Frowwi und schiinum eintu Chieli ischt är tatsächlich am Naatag as riichs Mannji gsii. Ja, wie seit mu hiitu: ‘Är het daa ver an rächti Dritti Süüla gsoorget’! Und eis aalts Wallisersprichwort het är de öü no rächt miessu leerru: «A riichi Froww gä beeschi Ziit

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Bürchen 21. 2. 21

Bildquelle: Salgesch um 1900, Ludwig Imesch: Das Oberwallis im Bild. Bd. 1, 1850 – 1919, Rottenverlag, Visp, 1978, S. 176

PS. Wer heute nach Salgesch geht, macht das vor allem der Weine wegen; besonders der Salgescher Rotwein ist inzwischen weitbekannt. 1988 hat Salgesch als erste Winzergemeinde der Schweiz eine Appellation Grand cru ins Leben gerufen. Wenn ihr in Salgesch gute Weine sucht, einfach am Bahnhof aussteigen und immer der Nase nach! Immer nach ein paar Schritten findet ihr den nächsten Winzerbetrieb – und alle Weine sind gut! Wer sich daneben aber auch noch für Kultur interessiert trifft nach der Kirche auf die Johanniterkomturei, das Zentrum für den Pilgerverkehr über den Simplon und in der Mitte des Dorfes auf ein sehenswertes Weinmuseum.

[1] Frei nacherzählt. Walliser Sagen. Historischer Verein von Oberwallis (Ruppen).1. Teil, Dogma, Bremen, 1913, S. 234 [2] Man merkt es an den Flurnamen, dass in Salgesch früher mal Frankoprovenzalisch gesprochen wurde; vgl. Die Orts- und Flurnamen der Gemeinde Salgesch im Wallis / Mathier Manfred

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