Suche
  • volmar.schmid

D Mangepaani[1]



We mu va Merill ambrüff obnuber durch di Cheschtinuwäälder Richtig Äbnet und Bitsch löüft, gseet mu teif unner schich di Hooflüekchapälla (übrigens an wunderschööni Barockkapälla, waa sit 2020 frisch renovierti ischt) und uber schich an Hubil mit der a Ruiina. Daa ischt friejer di Burg Mangepaani oder Mancapan gstannu. Da het das mächtig Gschlächt va de Brodesser, an Aart Röubritter gläbt, wa d Liit in der Umgäbig auf verschideni Aarte malträtiert heint. D Merjer sind ne Tribuutpflichtig gsii, schii heint jedes Jaar pro Famili an Sack Chooru und bim Metzgu ds Filestuck vam gmetzgotu Tier miessu abliifru. Dass het de aber de Mangepaani nit glängt: schii heint an unnerirdische Gang ambri zer Hoflüekapälla gigrabu und uff dem Wägg sintsch ungsee und heimlich bis an di damaaligi Landstraass va Brig Richtig Goms graatu. Va Ziit zu Ziit heintsch de öü Söümerkolonne mit Waarutranspert Richtig Goms uberfallu. Am liebstu heintsch Püürlini gneetigot, wa vam Martiinimärt ds Vischp oder dum Gallusmärt in Brig uf dum Heimwägg gsii sind – an richtigi Landplaag. Derzüe ischt no cho, dasch gottlos de junge Wiiber sint naagsi; heintsch eini verwitscht, ischt fertig gsii mit Jungfröü und so. Di dreischtoschtu Teila heintsch aber bi Hoochziite in der Hooflüekapälla gibottu. Langsam ischts der Merjer und de Liitu in der Umgäbig zvill woordu: soo het wider ammaal an Hoochziit in der Hooflüekapällu stattgfunnu, und chüm zintsch zer Tiri üss, steit scho eine va dene Ritter vorr du Tiri und verlangt ds Rächt va der eerschtu Nacht. Der Brütigam het du Ritter, der Isidoor is gsii, härzlich zeerscht zum Hoochziitmaal nach Meril igladu; är heigi grat as wunnerbarrs Gsottus uber und dass chänne mu jetz eifach nit a soo la kaputt gaa. Der Isidoor het schi la uberschnuru und ischt mit ine uff Merill. Chüm am Tisch sind an parr jungi starchi Pirschtlini uber denu Ritter härrgfallu, heint nu gibunnu und afa üssfreegu. Sälbverständli het der nix wellu verratu; waasch mu de heint agfangu Holzspriisse unner d Nägil z schlaa und eine na dum andru üsszschrecku, het är düe du Gheimwägg in di Burg verraatu; dum Isidoor heintsch du Grind app und nu dernäbu im Rotto entsoorget. Dernaa sintsch mit Chneblu, Messer und Sägese biwaffnot durch du Gheimgang abrüff und heit di ubrigu Ritter uberrascht. Öü mit ine heintsch churze Prozäss gmacht, d Ritter heintsch tootgschlagu und d Frowwe mit der Chnächte uber du Simplon zum Tiifil gjagt. Dernaa hentsch emmal zeerscht Unnertach und Chäller üssgrüümt, iro Chooru zruggnu und d Filisticker, wa inzwischunt güets Trochufleisch gsii ischt, igipackt. Mebil und Gräät wasch nit heint chännu brüchu, heintsch ds Tobol ambri gitribu und di Burg verbrännt.

Naa der eltoschtu Sagusammlig vam Oberwallis va der Pfarrheerru Peter Ruppen und Moritz Tscheinen heintsch du Isidoor, wa daa kchei Namo het, gfreet, wie mu ächti di Burg chänne inä. Und deer het ne graatu, mit dum a groossu, biegsammu Wiiduböüm an Riisuarmbruscht ds buwwu und mit dera ganzi Holzstämm oder Felsbrocke uff di Burg z schiessu. Äär sollt ne doch taatsächlich sogaar mit dum Ziilu gholfu ha, soo, dass scho naam drittu Schuss an grossi Brescha in der Müüra antstannu ischt. Ver mich tischt di Technik ver d Merrjerpüüru, wa güet heint chännu Wässerru, Wildhewwu, Chees und Ziger machu, Geisse und Schaaf hietu, vill z kompliziert gsii. Darum tiensch bi mier eifach aschliichu und uberraschu.

Brig, 8. März 2021

Simultantext und Audio: hier

Bildquelle: Mörel mit Kirche von Ried-Mörel, um 1930. Ludwig Imesch. Das Oberwallis im Bild. Bd 2. Rotten Verlag, Visp, 1980, S. 35

PS. Über die Burg Mancapan gibt es eine ganz Reihe von verschiedenen Erzählungen und Legenden. Von Mörel geht ein Wanderweg links hoch ab und führt über die Höhen durch eine wiedererstellte Katanienselve in einer gemütlichen Wanderung nach Bitsch. Zur Wiedererrichtung und Instandhaltung des Kastanienwaldes wurde eine eigene Zunft errichtet. Mörel ist der Ausgangspunkt zur Riederalp und kann einige Pretiosen anbieten, besonders hervorheben möchte ich hier, die Kapelle Zen Hohen Flüehen, auf ihrem Friedhof wurden früher die Totgeburten, die ungetauften Kinder und teilweise Selbstmörder beerdigt.



[1] Nacherzählt von Volmar Schmid: Historischer Verein von Oberwallis. Walliser Sagen. Erster Teil, DOGMA, Bremen, 2013. Domherr Peter Jos. Ruppen, Mangepani, S. 101 f.

16 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen